Aus Anlass der Grippe-Epidemie (A/H1N1), die zuerst in Mexiko, den U.S.A. und Kanada und infolge des internationalen Reiseverkehrs nun auch in Europa aufgetreten ist, möchten wir Sie aus betriebsärztlicher Sicht über die wesentlichen Gefahren und Schutzmaßnahmen informieren:
Es handelt sich dabei um eine hoch ansteckende Atemwegserkrankung, die von einem neuen Grippevirus verursacht wird. Dieses neue Grippevirus entwickelte sich aus einem Schweinegrippenvirus der Gruppe A. Die klassische Schweinegrippe betrifft normalerweise nur Schweine.
Die derzeit grassierende Variante des Neuen Grippe-Virus A/H1N1 hat laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) das "Potenzial zu einer Pandemie", also einer weltweiten Epidemie. Grund dafür sei, dass das Virus auch von Mensch zu Mensch übertragen wird. Bei vorherigen Virusvarianten kam dies nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin nur äußerst selten vor. Anders als etwa bei der Vogelgrippe infizieren sich zudem nicht vornehmlich Kinder, alte und andere geschwächte Menschen, sondern insbesondere junge Erwachsene mit guter Gesundheit mit der Neuen Grippe.
Grippeviren verändern sich durch genetische Mutationen ständig. Da beim Schwein außer dem klassischen Schweinegrippe-Virus auch Erreger der Vogelgrippe und der Grippe beim Menschen auftreten, besteht bei ihm eine besonders große Gefahr, dass sich neue Virus-Varianten bilden. Das derzeitige Virus ist laut WHO genetisch einmalig und wurde noch nie zuvor nachgewiesen. In ihm sind zwei Stämme der Schweingrippe und je ein Stamm von Vogelgrippe und der Grippe beim Menschen kombiniert.
Obwohl die klassische Schweinegrippe normalerweise nur für Schweine ansteckend ist, ist eine Infektion von Menschen bereits vorgekommen. Die Virusvariante A/H1N1 war allerdings laut WHO zuvor nicht beim Menschen identifiziert worden. Studien zufolge tragen allerdings bis zu 50 Prozent aller Schweine in Herden in den USA den Erreger in sich. Bei vielen der infizierten Menschen in den USA steht aber schon jetzt fest, dass sie keinen Kontakt mit Schweinen hatten. Daher ist davon auszugehen, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch überträgt. Laut WHO gibt es keine Anzeichen dafür, dass Menschen sich durch den Genuss von Schweinefleisch angesteckt haben. Das Virus wird beim Kochen ab einer Temperatur von 72 Grad abgetötet.
Die Symptome der Neuen Grippe ähneln denen einer "normalen"
Influenza: plötzlich beginnendes Krankheitsgefühl, Schnupfen, Husten, hohes Fieber, Glieder-, Kopf- und Halsschmerzen. In manchen Fällen weitet sie sich von einer Atemwegsinfektion zu einer schweren - potenziell tödlich verlaufenden - Lungenentzündung aus.
Ob sich jemand mit dem Virus angesteckt hat lässt sich im Nationalen Referenzzentrum für Influenza (NRZ) überprüfen. Bei einem Verdacht solle ein Rachen- oder Nasenabstrich möglichst rasch nach Beginn der Erkrankung an das Zentrum geschickt werden, betont das Robert-Koch-Institut.
Für Menschen gibt es bisher noch keinen Impfstoff. Das derzeitige Grippeimpfmittel gegen die "normale" Influenza enthält diesen Virustyp nicht. Nach Angaben der WHO ist nicht bekannt, ob die üblichen Grippeimpfstoffe Schutz gegen die Neue Grippe bieten. Die WHO sei über die Risiken und die mögliche Ausbreitung der Seuche über die bereits betroffenen Gebiete hinaus noch nicht komplett im Bilde, sagte WHO-Chefin Margaret Chan. Es sei deshalb auch noch zu früh, Pharmakonzerne zur Produktion eines neuen Impfstoffs zu raten.
Das neue Virus überträgt sich nicht nur vom Schwein auf Menschen, sondern auch leicht von Mensch zu Mensch als Tröpfcheninfektion, also durch den Kontakt mit infiziertem Speichel etwa durch Niesen oder Küssen. In Mexiko wurden daher größere Veranstaltungen abgesagt und der Bevölkerung von engem Körperkontakt abgeraten. Auf eine regelmäßige Reinigung und evtl. Desinfektion der Hände ist zu achten. Durch den Verzehr von infiziertem Schweinefleisch droht keine Ansteckung, wenn das Fleisch vorher bei einer Kerntemperatur von mindestens 72 Grad zubereitet wurde. Infizierte Menschen werden mit dem Medikament Tamiflu behandelt, das auch gegen Vogelgrippe hilft. Nach Angaben von US-Behörden wirkt auch das Präparat Relenza.
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