Weniger ist manchmal mehr
Alles wichtig, alles gleichzeitig: Fast jeder vierte Deutsche steht bei der Arbeit unter Dauerstress. Telefon, E-Mail-Zugang und verschiedene PC-Programme werden parallel bedient, bei Dienstreisen sorgen Handy, Laptop und Freisprechanlage im Auto für ständige Erreichbarkeit. Selbst der Feierabend bringt keine Erholung: Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit ist durch mobile Kommunikationsmittel fließend geworden. Der Verband Deutscher Sicherheitsingenieure (VDSI) e.V. warnt vor einem unreflektierten Einsatz digitaler Kommunikationstechnologien und weist auf die Gefahren von „Multitasking“ hin.
Nicht ob, sondern wie: Spielregeln für die Kommunikation
„Die Frage ist nicht, ob wir digitale Kommunikationstechnologien in den Unternehmen einsetzen, sondern wie wir sie produktiv und effizient für unsere Arbeit nutzen“, so Rainer von Kiparski, VDSI-Vorstandsvorsitzender und Professor am Institut für Arbeitswissenschaft und Betriebsorganisation in Karlsruhe. „Das menschliche Gehirn ist permanenten Doppelbelastungen nicht gewachsen. Werden mehrere komplexe Aufgaben gleichzeitig erledigt, steigt die Fehlerquote und die Unfallwahrscheinlichkeit nimmt zu. Wertvolle Arbeitszeit wird eingesetzt, um Fehler zu korrigieren und sich an die nächste anstehende Aufgabe zu erinnern. Das eigentliche Arbeitsvolumen bleibt gleich oder sinkt sogar.“
Multitasking kostet mehr als es bringt
Umfragen und Studien zeigen es deutlich: Mehr als jeder vierte Arbeitnehmer fühlt sich mittlerweile von ungeplanten Unterbrechungen und Störungen bei der Arbeit psychisch belastet. Jeder Dritte gibt an, dass ihn die Informationsüberflutung und ständige Erreichbarkeit durch mobile Kommunikationsmittel stört; diese Faktoren stellen die zweithäufigste Ursache für beruflichen Stress dar. „Chronischer Stress begünstigt unter anderem die Entstehung von kardiomuskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt“, warnt Rainer von Kiparski. Auch Erschöpfungszustände, die bis zum Burnout-Syndrom führen können, lassen sich in vielen Fällen auf langanhaltenden Stress ohne notwendige Erholungsphasen zurückführen. Die Folgen für die deutsche Wirtschaft sind beträchtlich: „Bereits jetzt entfallen neun Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage auf psychische und Verhaltensstörungen – das sind insgesamt rund 41 Millionen Tage. Ein Beschäftigter, der an einer psychischen Erkrankung leidet, fällt im Durchschnitt 25,9 Arbeitstage aus.“
Tipps für ein betriebliches Informationsmanagement
„Unternehmen sollten Spielregeln für den Umgang mit digitalen Kommunikationsmitteln festlegen“, empfiehlt Rainer von Kiparski. „Das Aufstellen und Einhalten dieser Regeln ist eine Führungsaufgabe im Unternehmen. Es geht um Fragen der Arbeitsorganisation, der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes.“ Manager für Sicherheit und Gesundheit können Führungskräfte und Mitarbeiter dabei unterstützen, unternehmensspezifische Lösungen zu finden.
Folgende Aspekte gehören dazu:
Quelle: www.vdsi.de