Was stresst? Was hilft? Was ist zu tun?
Arbeitnehmer bewältigen immer komplexere Aufgaben. Konkurrenzdruck, Informationsflut und eine Technik, die ständige Verfügbarkeit suggeriert, führen zur Beschleunigung. Arbeitsunterbrechungen und Multitasking gehören zum Arbeitsalltag und werden meist als Belastung empfunden.
In einem umfassenden Bericht hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) die Forschungsergebnisse verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen in einem Modell zusammengefasst. Es zeigt, welche Faktoren das Stress-Erleben beeinflussen, wie sich das Alter auf den Umgang mit Unterbrechungen und Multitasking auswirkt und welche Kompensationsmöglichkeiten bestehen.
Arbeitsunterbrechungen und Multitasking sind eng verwandt. Menschen können nur hoch automatisierte Aufgaben tatsächlich gleichzeitig ausführen. Ansonsten verlangen Multitasking wie Arbeitsunterbrechungen einen Aufgaben- und Aufmerksamkeitswechsel. Beim Multitasking erfolgt dieser in Millisekunden oder Sekunden durch zahlreiche selbstgesteuerte Unterbrechungen. Arbeitsunterbrechungen sind dagegen von außen gesteuert. Die Aufgaben wechseln in größeren Abständen.
Inwieweit der Mehraufwand durch Arbeitsunterbrechungen und Multitasking als belastend empfunden wird, hängt von persönlichen Merkmalen, Handlungsspielraum, sozialer Unterstützung, kognitiven Fähigkeiten und dem Gefühl der Selbstwirksamkeit ab. Auch Häufigkeit und Zeitpunkt der Unterbrechungen oder die Komplexität der unterbrochenen Aufgabe spielen eine Rolle.
Die Multitasking-Fähigkeit hängt mit der Leistung des Arbeitsgedächtnisses, mit Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie neurologischen Gegebenheiten zusammen. Mit zunehmendem Alter nehmen diese Fähigkeiten ab. Dabei zählt das physiologische Alter. Faktoren wie Sport, geistige Anregung oder Stressvermeidung verringern den Leistungsabfall. Selektion, Kompensation und Optimierung können Defizite ausgleichen. Besonders wirksam sind Berufserfahrung und Hilfsmittel. Strategien wie schnelleres Arbeiten oder das Herunterschrauben eigener Ansprüche können jedoch die Arbeitsqualität mindern.
Arbeitsunterbrechungen und Multitasking sind für Menschen jeden Alters psychisch belastend. Überforderung kann zu Leistungsminderung sowie körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen führen.
Die Autoren der BAuA-Studie fordern die Beachtung der menschlichen Leistungsgrenzen und eine differenzielle, altersgerechte Arbeitsgestaltung. Verbunden mit kontext- und persönlichkeitsspezifischen Lösungen können die Stärken der Arbeitnehmer optimal eingesetzt werden, bei verbessertem Gesundheitsschutz.
Zur Entwicklung konkreter Empfehlungen hinsichtlich Arbeits- und Organisationsgestaltung sind weitere wissenschaftliche Untersuchungen notwendig.
Quelle und Download der Studie:
A. Baethge, T. Rigotti:Arbeitsunterbrechungen und Multitasking.Ein umfassender Überblick zu Theorien und Empirie unter besonderer Berücksichtigung von Altersdifferenzen. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2010
www.baua.de
Weitere Informationen zum Thema bietet die B·A·D GmbH mit der neuen Broschüre "Wenn Belastungen die Arbeit beeinträchtigen"