Deutschland 
 
 
 
04. Februar 2013

 

Deutscher Herzbericht vorgestellt

Infarktsterblichkeit regional unterschiedlich - Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz häufiger

Der Bedarf an Ausbau und Verbesserung der Versorgung von Herzpatienten ist ungebrochen, trotz einer weiterhin rückläufigen Infarktsterblichkeit in Deutschland, das ist eine Erkenntnis des Deutschen Herzberichts, den jetzt die Deutsche Herzstiftung in Zusammenarbeit mit den Vorständen der deutschen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK) , für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) sowie für Kinderkardiologie (DGPK) herausgegeben hat.

So hat sich zwar die Sterblichkeit des akuten Herzinfarkts von 2000 bis 2010 von 81,8 auf 67,9 Verstorbene pro 100 000 Einwohner reduziert und die Zahl der Sterbefälle ist innerhalb der letzten 30 Jahre von 92 801 (1980) auf 55 541 (2010) gesunken. Jedoch sind für andere Herzkrankheiten wie Herzklappenkrankheiten, Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche (Herzinsuffizienz) von 1995 bis 2010 deutliche Anstiege bei den vollstationär behandelten Fällen (stationäre Morbiditätsziffer) zu verzeichnen: bei den Herzklappenkrankheiten von 69 im Jahr 1995 auf 90 im Jahr 2010 je 100 000 Einwohner, bei den Herzrhythmusstörungen von 282 (1995) auf 488 (2010) und bei der Herzinsuffizienz von 275 (1995) auf 454 (2010). Unerwartet große Unterschiede zeigen die Sterbeziffern der Frauen infolge von Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen in allen Bundesländern im Vergleich mit denen der Männer. Um diese Situation zu verbessern, bedarf es einer flächendeckend gleichmäßigen herzmedizinischen Versorgung.

Versorgung von Herzpatienten nicht überall gleich gut

Jedoch kann von einer gleichmäßigen Versorgungslandschaft für Herzpatienten mit ischämischen Herzkrankheiten (=Herzinfarkt und Krankheiten als Folge einer Mangeldurchblutung des Herzens), Herzinsuffizienz, Herzklappenkrankheiten und Herzrhythmusstörungen nicht gesprochen werden. „Die Versorgung für Patienten mit Herzerkrankungen ist in den verschiedenen Regionen nicht gleich gut“, kritisiert Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. So schwankte im Jahr 2010 die Herzinfarkt-Sterblichkeit pro 100 000 Einwohner zwischen den Bundesländern von 53 in Hamburg bis 111 in Sachsen-Anhalt oder 101 in Brandenburg. Die Spannweiten bei der Höhe der Infarktsterblichkeit, d. h. wie stark bzw. schwach ein Bundesland von der bundesdurchschnittlichen Sterbeziffer abweicht und diese Sterbeziffer über- oder unterschreitet, zeigt sich an Schleswig-Holstein mit der größten Unterschreitung des Bundesdurchschnitts von -20,3% im Unterschied zu Sachsen-Anhalt mit einer Überschreitung von +43,0% und damit einer viel höheren Infarktsterblichkeit.

Die Ursachen für die länderspezifischen Unterschiede sind unklar. Wahrscheinliche Ursachen sind: regionale Unterversorgung der Patienten, weniger effektives Notarztsystem, längere Prähospitalzeit, niedrigerer Informationsstand der Bevölkerung aufgrund ungünstiger sozioökonomischer Bedingungen.

Herznotfallambulanzen (CPUs): Nicht immer dort, wo am nötigsten

Versorgungsunterschiede zeigten sich auch bei der Verbreitung von Herznotfallambulanzen im Bundesgebiet, den Chest-Pain-Units (CPUs). Sie dienen der Versorgung von Patienten mit unklarem Brustschmerz und stehen allen Patienten mit akuten Brustkorbbeschwerden 24 Stunden offen. CPUs verfügen über alle modernen Geräte für die Erkennung eines Herznotfalls. Dort hat man die besten Überlebenschancen. Schwerwiegende Komplikationen wie Herzschwäche lassen sich durch Herznotfallambulanzen vermeiden. CPUs sollten dort sein, wo besonders viele Menschen herzkrank sind oder an Herzkrankheiten sterben. "Besonders in manchen ostdeutschen Gebieten mit höherer Sterbe- und Morbiditätsziffer ist das leider nicht der Fall, zum Beispiel in Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Auch in Thüringen fehlen CPUs", sagt Prof. Meinertz. Wenig Sinn mache es, CPUs dort einzurichten, wo die Herzinfarktversorgung ohnehin sehr gut ist.

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