Eine Gefahr für die Gesundheit? Eine Aufgabe für den Arbeitsschutz?
Etwa 17 Millionen Erwerbstätige in Deutschland arbeiten in einer Form von Wechselschichtsystemen. Eine aktuelle Literaturübersicht von Harth, V. et al. (IPA-Journal 03/2009) zeigt erneut: Arbeitnehmer, die im Schichtdienst tätig sind, haben mit einer Reihe von Belastungen zu kämpfen - sie sind nicht nur weiter vom sozialen Leben entfernt sondern müssen auch noch stets gegen ihre innere Uhr anarbeiten. Die Folge: Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sinken, Fehler häufen sich und es kommt schneller zu Unfällen. Besonders belastend sind die Auswirkungen auf das körperliche und psychische Wohlbefinden. Nicht selten klagen Schichtarbeiter über Nervosität, Gereiztheit, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen oder sogar Depressionen.
Im Jahr 2007 erschreckte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) mit der Nachricht, dass Schichtarbeit, die mit zirkadianen (= einem biologischen Rhythmus, der zirka 24 Stunden entspricht) Störungen einhergeht, als „wahrscheinlich krebserregend“ einzustufen sei. Am bedeutsamsten wird dabei der Zusammenhang mit Brustkrebs gesehen. Die Evidenz dieses Zusammenhangs muss jedoch als beschränkt betrachtet werden. Einzelne Studien stellen zwar einen geringen Anstieg des Brustkrebsrisikos bei Schichtarbeiterinnen fest, andere relativieren diesen jedoch wieder. Zudem muss der Einfluss beruflicher Risikofaktoren, wie etwa Strahlenexposition, mit beachtet werden.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse rechtfertigen es somit weiterhin nicht, eine krebserzeugende Wirkung von Nachtschichtarbeit für gesichert zu halten. Weitere Studien in großen Kohorten und unterschiedlichen Schichtsystemen müssen folgen. Das besondere Belastungsprofil, dem Menschen im Schichtdienst ausgesetzt sind, steht jedoch außer Frage und somit ein Thema für den aktiven Arbeitsschutz in vielen Unternehmen.